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Hornaffe

Die alten Kasseläner liebten ihren "Affen", einen gebackenen Affen, den Hornaffen. Er ist ein jahreszeitliches Gebäck, das noch vor 70 Jahren an den Festtagen um die Jahreswende in keinem Kasseler Haushalt fehlte.

Nach den handgeschriebenen Aufzeichnungen des Bäckers Heinrich Ludwig Stoll (1862-1900) wurde er aus Plunderteig hergestellt und mit Rosinen und Organgen gefüllt. Konditoren streichen ihn mit Marzipan und bestreuen ihn mit Mandelstiften.

Bereits 1422 wird der Hornaffe urkundlich erwähnt. 1572 steht er als "Affenmon" auf der Speisekarte des Kasseler Hofes, gleich nach dem "Nonnenfurtze" übrigens. 1650 nennen die Kasseläner den Bäcker Hand Keuting "Cassel Hans" oder auch - mit derbem Volkshumor - "Affenf.....Bäcker".

Das historische Kasseler Bürgerbuch verzichtet allerdings in unbefangener Offenheit darauf, die Buchstaben durch Punkte zu ersetzen. Früher war es häufiger Brauch, Backwaren geschlechtsbestimmenden Körperteilen nachzubilden.

Nach einer alten Innungschronik gilt der Hornaffe nämlich als Gebäck, das die alten Kasseläner auf wenig feine Weise nach dem Geschlechtsorgan des weiblichen Affens bezeichneten. Die Speisekarte des landgräflichen Hofes übernahm den Ausdruck jedenfalls nicht.

Mit dem Affen hat der Hornaffe jedoch den Namen gemein. "Hornaff" oder "Hornoff" bedeutet ursprünglich nichts anderes als offenes Horn. Früher wurde er als offenes Doppelhorn gebacken.

Das Wörterbuch der Brüder Grimm kennt den Ausdruck nicht nur als Namen eines Gebäcks, sondern auch als Bezeichnung für den Zwickel zwischen zwei runden Butzenscheiben.